Man sagt / es sey kein Ort / da Amor nicht zu finden /

eß sey kein öder Wald / eß sey kein Teil der Welt /

da dieser große Fürst nicht seine Hoffstadt helt;

man sagt / eß sey kein Man / den er nicht könne binden:

noch hat er meinen Muht nicht können überwinden /

weil mir sein schnödes Thun zu keiner zeit gefält;

ob er schon noch so weit ihm bawet sein Gezelt /

daß in Arabia man ihn auch stets kann finden.

Europa ist zwahr sein / er sitzt in Africa /

er wohnt in Asia / und kent America /

In summ / eß ist kein Haus / das er nicht innen hatt /

eß ist kein Menschlich Hertz / das er nicht könte lencken /

mich doch / ob er schon nah mir ist / kan er nicht krencken /

dan ist er auff dem Dorff / so bin ich in der Stadt. Oder:

bin ich dan auff dem Dorff / so ist er in der Stadt.


Das Gedicht "Man sagt, es sey kein Ort, da Amor nicht zu finden..." stammt von   (1621 - 1638).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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