Willkommen, fryhe Morgen-Sonn;

Willkommen, junger Tag!

Dort aus des Berges dunkelm Wald

Blizt schon dein Stral hervor.

 

Schon blinket er im Wasser-Fall,

Im Thau auf jedem Laub;

Und Munterkeit und Wonne koemmt

Mit deinem Glanz daher.

 

Der Zephir, der in Blumen schlief,

Verlæßt sein Beth, und schwermt

Von Blum zu Blum, und schyttelt die,

Die izt noch schlafen, wach.

 

Der bunt-gemengten Træume Schaar

Entflieht izt jeder Stirn;

Wie Liebes-Goetter schwermten sie

Um Chloens Wangen her.

 

Eilt, Zephir! raubet jeder Blum

Den lieblichsten Geruch;

Und eilet, eilt zu Chloen hin,

Izt da sie bald erwacht.

 

Da flatert um ihr weiches Beth,

Und wekt das schoenste Kind,

Mit sanftem Spiel auf ihrer Brust,

Und ihrem syssen Mund.

 

Wann sie erwacht, dann flystert ihr,

Schon vor der Morgen-Sonn,

Hab’ ich Einsamer ihren Nam

Am Wasser-Fall geseufzt.


Das Gedicht "Morgenlied" stammt von   (1730 - 1788).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte