Steffen. O Bruder welch Entzücken,

Schafft mir mein guter Wein!

Bey eines Mädgens Blicken,

Da soll man froher seyn?

Freund glaub, ein jeder Tropfe Wein,

Stürzt neue Lust in mich hinein.

Kunz. O Bruder welch Entzücken,

Schaft mir mein muntres Weib!

Das Feuer in den Blicken,

Ihr schöngebauter Leib!

Bey dieser Lust, bey diesen Freuden,

Freund glaub, muß mich ein Fürst beneiden.

Steffen. Ein schäumend Glas aufs andre leeren,

Und stets dabey den Kuß entbehren! - -

Ich glaub die Freude würd sich mehren,

Wann diese Ding beysamen wären.

Kunz. Doch ja! Bey meinen Küssen,

Hab ich nicht einen Tropfen Wein,

Bald glaubt’ ich, würd ich den nicht missen,

Ich würde noch entzückter seyn.

Steffen. Freund wie! mir fällt ein Mittel ein,

Wir können unser Glück vermehren.

Du hast ein Weib, ich habe Wein,

Und die, die haben wir gemein,

Nicht wahr? diß läßt sich hören.


Das Gedicht "Das Gespräch" stammt von   (1730 - 1788).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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