Sie sähn es gern, ich würde kirre

und beugete mich niederwärts;

sie machten gern mein tapfres Herz

in seinem stolzen Glauben irre.

 

Sie sagten mir: Es ist vergebens,

du änderst nicht den Lauf der Welt;

Knecht bleibt sie doch! Und dir vergällt

hast du den Sommer deines Lebens.

 

Wohl, sei es so! Sich fügen lerne,

wem Fügsamkeit genügen kann,

auch Demut schmücket ihren Mann:

Ich aber folge meinem Sterne!

 

Da hilft kein Rat, da ist kein Wählen,

ich kann nicht anders, wollt′ ich auch:

Die Freiheit ist mein Lebenshauch,

sie ist die Seele meiner Seelen!

 

So laßt mich meine Bahn vollenden,

wie sie auch sei, mein Ziel ist mein;

ja, sollt′ es auch ein Irrweg sein,

ich will ihn doch mit Ehren enden.


Das Gedicht "Sie sähn es gern, ich würde kirre" stammt von (* 1816-05-30, † 1872-06-21).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte