Die Sonne blitzt, ein Distelfeld

Belebt die stille Mittagswelt;

Im starrgezackten Blättermeer

Glühn purpurlockig kreuz und quer

Die Blütenköpfe.

 

Und durch den eisengrauen Busch,

Ein bunter Vogel, hupp, hup, husch,

Hüpft durch das wilde Staudenheer,

Als ob es ohne Stacheln wär:

Ein junger Stieglitz.

 

Wie wirr, wie wunderlich geschweift!

Ein leichtes Lüftchen kommt und greift

Von Blütenspeer zu Blütenspeer

Und wirft die Schatten hin und her;

Weg ist der Stieglitz.

 

Nun will ich stille weitergehn

Und mir die sonnige Welt besehn,

Und durch das Leben kreuz und quer,

Als ob es ohne Stacheln wär;

Das liebe Leben.


Das Gedicht "Der Stieglitz" stammt von   (1863 - 1920).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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