Marie, so frisch im Rot leuchten dir beide Wangen,
Einer Mairose gleich; kastanienbraun dein Haar,
Oder auch dunkler, spielt in tausend Locken zart,
Davon die schönsten dir zierlich das Ohr umfangen.
Als du noch Kind warst, hat einst eine kleine Biene
Von deinen Lippen reinen Nektar aufgelesen;
In deinem Auge hat Amor den Pfei1 vergessen;
Es schenkte Pitho selbst dir deine schöne Stimme.
Und deiner kleinen Brüste milchweißes Hügelpaar:
Sie runden, heben sich, so wie im jungen Jahr
Zwei runde Knospen sich aus ihrem Blattwerk heben.
Von Grazien kommt dein Reiz, und Juno lieh den Arm,
Aurora selbst schenkte die Stirne dir und Hand, -
Dein Herz jedoch, Marie, stammt von grausamen Löwen.
Das Gedicht "Marie, so frisch im Rot leuchten dir beide Wangen..." stammt von Pierre de Ronsard (1524 - 1585).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
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