Dulde, gedulde dich fein!

Über ein Stündlein

ist deine Kammer voll Sonne.

 

Über den First, wo die Glocken hangen,

ist schon lange der Schein gegangen,

ging in Türmers Fenster ein.

 

Wer am nächsten dem Sturm der Glocken,

einsam wohnt er, oft erschrocken,

doch am frühsten trifft ihn Sonnenschein.

 

Wer in tiefen Gassen gebaut,

Hütt′ an Hüttlein lehnt sich traut,

Glocken haben ihn nie erschüttert,

Wetterstrahl ihn nie umzittert,

aber spät sein Morgen graut.

 

Höh′ und Tiefe hat Lust und Leid.

Sag ihm ab, dem törigen Neid:

andrer Gram birgt andre Wonne.

 

Dulde, gedulde dich fein!

Über ein Stündlein

ist deine Kammer voll Sonne.


Das Gedicht "Über ein Stündlein" stammt von   (1830 - 1914).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte