Nirgends hin / als auff den Mund /

da sinckts in deß Hertzens Grund.

Nicht zu frey / nicht zu gezwungen /

nicht mit gar zu fauler Zungen.

 

Nicht zu wenig / nicht zu viel!

Beydes wird sonst Kinder-spiel.

Nicht zu laut / und nicht zu leise /

Beyder Maß′ ist rechte Weise.

 

Nicht zu nahe / nicht zu weit.

Diß macht Kummer / jenes Leid.

Nicht zu trucken / nicht zu feuchte /

wie Adonis Venus reichte.

 

Nicht zu harte / nicht zu weich.

Bald zugleich / bald nicht zugleich.

Nicht zu langsam / nicht zu schnelle.

Nicht ohn Unterscheid der Stelle.

 

Halb gebissen / halb gehaucht.

Halb die Lippen eingetaucht.

Nicht ohn Unterscheid der Zeiten.

Mehr alleine denn bei Leuten.

 

Küsse nun ein Jedermann /

wie er weiß / will / soll und kan.

Ich nur und die Liebste wissen /

wie wir uns recht sollen küssen.


Das Gedicht "Wie er wolle geküsset seyn" stammt von   (1609 - 1640).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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