Nichts kann in dieser Welt in Nichts verschwinden,

Ein Etwas bleibt stets was ein Etwas war,

In andrer Form nur muß sich′s wiederfinden,

Aus Raum und Zeit stellt sich der Wechsel dar:

Die Blätter keimen, grünen und verwehen,

Geschlechter kommen und Geschlechter gehen.

 

Eins nur beharrt in der Verändrung Wogen

Und baut sich fort, wenn alles steigt und fällt.

Es überwölbt mit hoch erhab′nem Bogen

Den Zeitenstrom der körperlichen Welt:

Das ist die Brücke, die der Geist geschlagen,

Um uns vom Irdischen zu Gott zu tragen.

 

Das Volk des Perikles hat ausgerungen

Und längst erblindete sein Ehrenschild,

Homers und Pindars Leier ist verklungen

Und ach, zermalmt des Phidias Götterbild:

Doch ob auch die Akropolis zerfallen,

Der Geist von Hellas lebt noch in uns Allen.

 

Denn er allein hat mit Titanenkräften

In alter Zeit den festen Grund gelegt,

Der über sich auf prächt′gen Säulenschäften

Der Ewigkeit gewalt′gen Tempel trägt.

Wohl sieht man Volk auf Volk dran weiter bauen,

Doch wird ihn je die Welt vollendet schauen?


Das Gedicht "Gedankenflüge" stammt von   (1861 - 1928).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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