Lied eines Auswandernden

 

Sei mir zum letztenmal gegrüßt,

Mein Vaterland, das, feige dumm,

Die Ferse dem Despoten küßt

Und seinem Wink gehorchet stumm.

 

Wohl schlief das Kind in deinem Arm,

Du gabst, was Knaben freuen kann;

Der Jüngling fand ein Liebchen warm;

Doch keine Freiheit fand der Mann.

 

Im Hochland streckt der Jäger sich

Zu Boden schnell, wenn Wildesschar

Heran sich stürzet fürchterlich;

Dann schnaubt vorüber die Gefahr:

 

Mein Vaterland, so sinkst du hin,

Rauscht deines Herrschers Tritt heran,

Und lässest ihn vorüberziehn

Und hältst den bangen Atem an. –

 

Fleug, Schiff, wie Wolken durch die Luft,

Hin, wo die Götterflamme brennt!

Meer, spüle mir hinweg die Kluft,

Die von der Freiheit noch mich trennt!

 

Du neue Welt, du freie Welt,

An deren blütenreichem Strand

Die Flut der Tyrannei zerschellt,

Ich grüße dich, mein Vaterland!


Das Gedicht "Abschied" stammt von   (1802 - 1850).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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