Liebes Kirchlein an der Straßen,

Wer dich einsam hier erbaut,

Hat in Sehnsucht ohne Maßen,

Hat, wie ich, hinausgeschaut

 

Nach den Bergen, nach dem düstern

Schauerlichen Waldesgrün,

Wo die hohen Bäume flüstern,

Wo die tiefen Schatten ziehn:

 

In die Fernen, in die Weiten,

In ein unbekanntes Land,

Wo die Nebelgeister schreiten

Auf der alten Berge Rand.

 

Kommst so fröhlich hergezogen,

Bächlein, lieber Felsensohn,

Rinnet langsam fort, ihr Wogen,

Rauschet wie mit leiserm Ton,

 

Denn der alte Riese breitet

Seine Arme mächtig aus,

Und ihr eilet, und ihr gleitet,

Um zu sterben, in sein Haus.

 

Schaust auch du herab vom Hügel

Grauer, hoher Rittersmann?

Thurm, wer löst das Geistersiegel,

Wer den tausendjähr′gen Bann?

 

Kirchlein, aus der Lieben Mitte,

Ohne Rast und ohne Ruh

Lenken täglich meine Schritte

Durch die Stoppeln dir sich zu.

 

Kirchlein, einsam an der Straßen,

Wer dich hier einst aufgebaut,

Liebend hat er ohne Maßen

Zu den Bergen aufgeschaut.


Das Gedicht "Rippurr" stammt von (* 1783-12-11, † 1817-12-11).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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