Willkommen, stille Zelle!

Wie fröhlich zieh′ ich ein

In deine milde Helle,

Du trautes Kämmerlein.

 

Ihr Bilder leicht geflügelt,

Bleibt immer draußen stehn,

Die Thür ist zugeriegelt,

Und ihr müßt weiter gehn.

 

Doch kenn′ ich wol Gestalten

Die zogen mit hinein,

Die mögen frei hier walten

Und meine Meister sein.

 

Das Wirken und das Weben

Es hört wol niemals auf,

All′ das geheime Leben

Hält immer seinen Lauf.

 

Ihr Kindlein, schlafet selig,

Und spielt und füllt das Haus,

O bilde dich allmählich,

Du liebe Zukunft aus.

 

O Zweig, wann willst du grünen

Gleich Aarons heil′gem Stab?

Du blühst wol aus Ruinen,

Und stehst auf manchem Grab.

 

Brich unter Lust und Schmerzen,

O Leben, brich heraus;

Erblüh′ aus meinem Herzen,

Du reifer, voller Strauß.

 

Willkommen, stille Zelle!

Ich ziehe gläubig ein;

Bald soll mir deine Schwelle

Des Himmels Stufe sein.


Das Gedicht "Häusliches Stillleben - Das Zimmer" stammt von (* 1783-12-11, † 1817-12-11).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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