Nach dem Litthauischen.

 

Königsberg 1808.

 

Der Ring ist mir entfallen,

Ins tiefe Meer versenkt,

Den einst im Taubenmonat

Lieb′ Anka mir geschenkt.

 

Sie sprach mit süßem Munde:

Trag′ ihn und denke mein;

So lang′ du trägst das Ringlein

Will ich dein eigen sein.

 

Ich kniet′ am alten Strande

Und wusch die Netze rein,

Da sank von meinem Finger

Der Ring ins Meer hinein.

 

Nun thut mich Anka meiden

Und liebt mich nimmermehr.

Ihr Pfand hab′ ich verloren,

Mein Himmel ruht im Meer.

 

O Wind im fernen Norden,

Erwach′, ich flehe dir,

Spül′ ihn an Anka′s Wiese,

Sie gibt ihn wieder mir.

 

Ihr Mitleid ward jüngst rege,

Als sie mich weinend fand,

Sie ließ ins Gras sich nieder

Und bot mir ihre Hand.

 

Hab′ Dank für Trost und Mitleid -

Was frommt es mir und dir?

Ich will nur Liebe, Liebe!

Und die entzieht sich mir.

 

Laß Andre Bernstein sammeln,

Der Fischer sucht den Ring,

Den er im Taubenmonat

Von Anka′s Hand empfing.


Das Gedicht "Der versunkene Ring" stammt von (* 1783-12-11, † 1817-12-11).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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