1816.

 

Auf dem Leinpfad geht sie gern

Längs dem holden Rheine,

Angeblickt vom Abendstern

Einsam und alleine.

 

Wie der Blick sich hebt und senkt,

Wie die Wünsche schweifen,

Was sie dichtet, was sie denkt,

Kann′s ein Mensch begreifen?

 

Auf dem Leinpfad geht sie gern

Längs dem holden Rheine,

Denket rückwärts froh und fern

In das Thal der Leine.

 

Morgenglanz, o Jugendlust,

Sterne, Blumen, Bäume,

Erster Hauch der jungen Brust,

All′ ihr frühen Träume!

 

Wollet stets das liebe Kind

Auf dem Pfad geleiten,

Spiel′ um sie, du Abendwind,

Wie um Harfensaiten!

 

Erste Lieb′ und erster Gruß

Aus dem Thal der Leine,

Weht sie an wie Geisterkuß

Auf dem Pfad am Rheine!


Das Gedicht "Der Spaziergang" stammt von   (1783 - 1817).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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