Oft wenn im wunderbaren Schimmer

Des Schlosses Trümmer vor mir stehn,

Im Sonnenschein, glaub′ ich noch immer

In seiner Jugend es zu sehn.

 

Mit seinen Mauern, seinen Zinnen

Fern leuchtend in das freie Thal,

Der Helden starke Kraft darinnen

Sich labend bei dem Rittermahl.

 

Dann klingt′s um mich wie ferne Stimmen,

Ich fühl′ ein geisterhaftes Wehn,

Fort treibt es mich, hinan zu klimmen

Einsam auf jene Felsenhöh′n.

 

Doch oben alles ganz zerfallen,

Der Epheu schlingt sich um den Stein,

Und in den offnen Fürstenhallen

Spielt Waldesgrün mit Sonnenschein.

 

Das nehm′ ich an zum guten Zeichen,

Zum Trost in dieser Gegenwart,

Daß auf den Trümmern, auf den Leichen

Sich Himmel noch und Erde paart.

 

Ein beßres Haus soll sich erheben,

Gebaut auf altem festem Grund,

Und frische Liebe, frisches Leben

Gedeihn im freien deutschen Bund!


Das Gedicht "Dasselbe" stammt von   (1783 - 1817).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte