Nonnen-Eiland in dem Flusse,

Rolandseck auf steiler Höh′,

Seid gegrüßt mit gutem Gruße,

Weil ich hier vorüber geh′.

 

Muß ich stets vorüber ziehen,

Brech′ ich keine Früchte ab,

Soll mir keine Laube blühen,

Pflanz′ ich nie den Wanderstab?

 

Flüchtet, flüchtet, ihr Gedanken,

Nach der süßen Ruhestatt,

Die mit holden Zauberschranken

Euren Flug gefangen hat.

 

Rückwärts, rückwärts, meine Blicke,

Nach dem fernen stillen Haus,

Baut euch muthig eine Brücke

Ueber Berg und Thal hinaus.

 

Grüßet mir die frommen Kinder,

Bei dem frommen, lieben Fest,

Daß die Sehnsucht milder, linder

Sich im Lied vernehmen läßt.

 

Alle Freuden, allen Segen,

Himmelsfrieden, süße Ruh,

Was ihr findet auf den Wegen

Führet meiner Freundin zu.


Das Gedicht "Auf der Wanderung am Rhein" stammt von (* 1783-12-11, † 1817-12-11).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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