Bist noch immer nicht erwacht?

Und es hat so hell geklungen

Stahl, von Männerhand geschwungen,

In der finstern Nacht.

 

Bist noch immer nicht erwacht?

Ketten klirrten kühn zerbrochen,

Und im Wetter hat gesprochen

Gottes heil′ge Macht.

 

Bist noch immer nicht erwacht?

Schau den Freiheitstag sich röthen,

Alle Völker stehn und beten

In der Rüstung Pracht.

 

Bist noch immer nicht erwacht?

Deine Ahnen rufen Wehe!

Geister schreiten von der Höhe

Für den Enkel in die Schlacht.

 

Bist noch immer nicht erwacht?

Satan harrt - ein Fürst der Sklaven -

Hat auch, daß sie wärmer schlafen,

Flammen angefacht.

 

Bist noch immer nicht erwacht?

Mögen denn dich furchtbar wecken

Des Gerichtes bleiche Schrecken

In der letzten Nacht.


Das Gedicht "An einen Herrn" stammt von   (1783 - 1817).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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