Honiglippe, Rosenmund,

Küsse mich zu jeder Stund′!

Arme weich und wonniglich,

Liebesketten, bindet mich.

 

Dunkel ist das Felsenthal

Und der Steg ist schwank und schmal;

Doch du leuchtest mir so gern,

Himmelsfunken, Augenstern.

 

Athem, Rede, Druck und Kuß,

Aller Wonnen Ueberfluß,

Engelseele, Götterleib,

Mein das allerschönste Weib.

 

Alles, alles das war mein;

Muß nun so verlassen sein!

Sänk′ ich blutend in der Schlacht,

Niemand hätte meiner Acht!

 

Wanke nicht mein guter Muth,

Lust am Leben, leichtes Blut,

Daß der Schmerz mich nicht verzehrt,

Eh′ mein Himmel wiederkehrt.

 

Ach, ich bin so blaß und krank,

Wüßte wol dem Arzte Dank!

Honiglippe, Rosenmund,

Sprich, wann machst du mich gesund?


Das Gedicht "Am 30. September 1813 - Honiglippe, Rosenmund..." stammt von   (1783 - 1817).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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