Dort stehen die Paläste,

Hangen nieder die Gardinen,

Und die hohen Fenster schauen

Hell herab mit stolzen Mienen,

Gleiten sanft die Füße über

Sammetdecken in den Sälen.

Und des Weines goldne Tropfen

Rinnen dorten durch die Kehlen. —

 

Kleine schmale Fenster sehen

Hier dem Sonnenlicht entgegen,

Und dahinter siehst du viele

Hände sich geschäftig regen:

Unterm Boden nach den Straßen

Müssen sie den Hammer schwingen.

Daß sie in dem Kampf des Lebens

Eine Stelle sich erringen!

 

Und in Lumpen siehst du dorten

Einen Bettler sorgend gehn,

Und um seine Glieder schlottern

Fetzen in des Sturmes Wehn!

Und empor dich bäumend möchtest

Du zersprengen deine Kammer

Wildes Herze, ob des Unrechts,

Ob der Erde tiefen Jammer! —

 

Aber still und blicke immer

Auf die Gräber nur hinunter,

Von der Bäume Laub umhüllet,

Weich und dicht und täglich bunter!

Sieh! Ob Fetzen oder Kronen

Sich um ihre Stirne winden:

Dorten müssen alle eine

Stätte, einen Frieden finden!


Das Gedicht "Trost" stammt von   (1854 - 1889).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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