Friedevoll und feierlich

Liegt der Wald im Schweigen,

Leise nur die Wipfel sich

Zu einander neigen.

 

Heil′ger, süßer Ahnung gleich

Dämmert′s in den Bäumen,

Und es flötet sanft und weich

Wie von goldnen Träumen.

 

Plötzlich aber schwankt ein Strauch,

Und die Wipfel beben,

Und die süßen Stimmen auch

Nach und nach verschweben ... .

 

Sturmwind brauste wild; — doch bald

Ist er schon beschworen,

Und es ruht der ganze Wald

Wieder traumverloren.

 

So, mein Herz, so wiß auch du:

Ob der Sturm dich schüttelt

Und aus deiner süßen Ruh′

Wild empor dich rüttelt —

 

Alle seine grause Macht

Wird ihm bald benommen,

Und das Glück muß über Nacht

Ganz dir wiederkommen!


Das Gedicht "Trost (2)" stammt von   (1854 - 1889).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte