Noch weiß ich jeder Miene Spiel

Und lausche Deinen Freudenrufen —

Und nun, nun wärst Du schon am Ziel

Kaum auf des Lebens ersten Stufen? —

Oed′ liegt′s Gemach, Dein Platz ist leer,

Der Wind stößt an des Hauses Thoren,

Und glauben muß ich′s kummerschwer,

Daß ich auf immer Dich verloren.

 

Jetzt graut der Tag, ich horche auf,

Ob Deine Stimme ich nicht höre

Und, still nachspähend Deinem Lauf,

Mir noch einmal den Sinn bethöre;

Doch ach, das holde Trugbild bleicht,

Zum Sarge kehren die Gedanken, —

Es wird Dein Aermchen weich und leicht

Nie mehr um meinen Hals sich ranken!

 

Und nimmer faß ich Deine Hand

Und führ im Lenz Dich zu den Rosen,

Wenn Schmetterlinge ziehn im Land,

Mit Blumen und mit Blüthen kosen.

Doch glauben will ich, daß die Luft

Sich selig von Dir hergewendet,

Und engelrein, im süßen Duft,

Mir Deine Seele Grüße spendet!


Das Gedicht "Noch weiß ich" stammt von   (1854 - 1889).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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