Das ist kein Mensch, der in dem Kot des Lebens

Für sich allein nach gold′nen Körnern schürt

Und dem des Himmels Mahnung stets vergebens

Ans eisigkalte Herz gerührt.

 

Die Mahnung: Wie die ew′gen Sterne droben

Einander spenden ihres Lichtes Schein,

So sollst du in des Lebens wildem Toben

Der Menschheit deine stärksten Triebe weih′n!

 

Der es nicht weiß, wie echte Herzen fluten

Und der nicht immer zweifelt, aber auch nicht glaubt

Und nimmer in der Wahrheit heil′gen Gluten

Empor zum Himmel hob das stolze Haupt:

 

Der ist kein Mensch! Und wenn sein Tag zu Ende,

Umstrahlt sein Grab kein rosenrotes Licht,

Und weiter regt die Zeit die raschen Hände —

Doch seinen Namen schreibt ihr Griffel nicht!

 

Das ist ein Mensch, der in dem Trug der Erde

Der Wahrheit Banner hocherhoben hält.

Und, daß der Welt die Freiheit wieder werde

Mit wucht′gem Arm der Lüge Burgen fällt,

 

Der kühn der Menschheit, die vom Wurm zerfressen,

Die Ziele zeigt, wo ihr Erlösung winkt

Und, blutend auch, in sel′gem Selbstvergessen

Die Fahne haltend, auf der Wahlstatt sinkt.

 

Das ist ein Mensch! Und Frieden wird′s ihm lohnen,

Der himmlisch süß sein starkes Herz durchweht,

Und eine Leuchte, lebt er in Äonen: —

Sein Name ist′s, der in den Sternen steht!


Das Gedicht "Das ist kein Mensch" stammt von   (1854 - 1889).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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