Der Mond kam der Nacht heißrot entgegen,
Schien trunken von Wollust und verwegen,
Wie Einer, dem das Blut stieg zu Kopf,
Wie ein wilder sehnsüchtiger Tropf.

Die Nacht wär' dem Roten gern ausgewichen,
Schwer schwankend kam er durch's Feld gestrichen;
Doch als sie genau sah, war's tot und kalt
Nur eine rotgeschminkte Gestalt.

Der Mond war Hanswurst und wurde verlegen,
War nicht wollüstig und nicht verwegen,
Es fiel ihm die rote Maske ins Gras,
Darunter die tote Sehnsucht saß.

Ein kahler Schädel mit eisigen Wangen
Ist bleich an der Nacht vorübergegangen;
Die Lippen erfroren, die Augen blind,
So trug ihn fort der Morgenwind.


Das Gedicht "Die rote Maske" stammt von   (1867 - 1918).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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