Vnd du wirst auch bey meiner Buhlschafft stehen /

O Delia / du Bildnuß aller Ziehr:

Ich wil auch dich durch meine Verß′ erhöhen;

Ich wil dein Lob erweitern für vnd für.

Sey nicht erzürnt / Asterie / mein Leben /

Weil ich anjetzt so sehr weit von dir bin /

Daß ich mich hab′ in andre Huld ergeben /

Vnd frembde Gunst mir kommen in den Sinn.

Ich habe dich in jhren Augen funden:

Dein Angesicht′ und rosenrother Mund /

Dein schönes Haar ist so in jhr verbunden /

Daß ich sie nicht für dir erkennen kundt′.

Ich fandt in jhr was ich bey dir verlassen;

Ich fand in jhr dich so gebildet ein /

Daß ich vermeyn′ ich könne sie nicht hassen

Ich müsse denn auch dir zu wider seyn.

O Delia / du Spiegel meiner Frewden /

Du Ebenbild der schönsten in der Welt /

Vergönne doch daß sich mein′ Augen weiden /

Weil deine Ziehr mein Leben in sich helt;

Weil jhr Gesicht′ ist so in dich geschrieben /

Daß sie jhr selbst nicht ähnlicher seyn kan /

Wie wolt′ ich dich / mein′ Augenlust / nicht lieben?

Ach nimb mich doch von jhrentwegen an.

So wil ich auch mit steten Versen ehren

Dein′ hohe Ziehr / vnd edlen Augenschein.

So lange man von Liebe nur wird hören /

Wird man zügleich′ auch deiner inndenck seyn.


Das Gedicht "An eine Jungfraw." stammt von   (1597 - 1639).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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