Ist′s auch nur dein Name allein, der glorreich

Weithin durch Jahrtausende herrlich leuchtet,

Mit der Menschheit schaffenden Geistes-Helden

Ewig verbunden,

 

Hat das immergrüne Gerank der Sage

Auch so reich umschlungen dein Erdendasein,

Daß des Antheils forschender Blick es niemals

Könnte durchdringen -

 

Dennoch sei begeistert und freudig dankbar

Hoch gepriesen, du, deren edle Stirne

Schmückt der einz′ge Kranz, der uns hebt zu Göttern,

Jener des Genius!

 

Ja - du schufst das Lied! an die ersten Töne

Feurig - zart, da inneres Leben kündet

Auf des Wohllauts Schwingen die gold′ne Lyra -

Knüpft sich dein Name!

 

Ja, du schufst allein aus dir selbst, O Sappho!

Während tief barbarische, dumpfe Erdnacht

Später viel Jahrhunderte lang so trostlos

Hüllte die Menschheit,

 

Daß das unterjochte Geschlecht der Frauen

Kaum begriff, wie schmälich es drückt die Kette,

Während jetzt, da lange schon rings es Tag ward,

Tausende nimmer

 

Das Geschlecht zu trennen gelernt vom Geiste -

Strahlt aus fernsten Zeiten dein Name siegreich

Uns entgegen, hehr wie das ew′ge Sternlicht -

Sei uns gepriesen!


Das Gedicht "Sappho" stammt von   (1844 - 1904).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte