Ich nahte mich, wie einem frommen Brot

Ein Pilger naht, mit sehnsuchtvollem Munde.

Du stießest ihn, Dir aufgetane Wunde,

In eine tiefre nie gestillte Not:

 

Du höhntest ihn mit übernommner Hülle

Von Saft und Speisung, bitter bis zum Rand,

O bittre Frucht! Der Mund, der Dich im Brand

Einmal empfing, sieh, er verlangt die Fülle

 

Von Bitterkeit wie Süße; widersteht

Keiner Erfahrung mehr: Er kommt und mündet

Dürstend in Dich und nimmt und trinkt und geht

 

Von Dir und ist so ganz mit Schmerz versehrt,

Daß er wie ein Beseßner sich entzündet

Neu aus sich selbst und endlos wiederkehrt.


Das Gedicht "Opuntia Monacantha" stammt von   (1899 - 1929).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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