Dies war mir oft ein Trost im Leben,

Ein Glück, das Keiner rauben wird -

Daß sich noch niemals eine Seele

In meinem Wesen hat geirrt.

 

Verrathen manchmal, oft betrogen,

Kenn′ ich es tief, dies bitt′re Leid,

Doch daß ich niemals selbst gelogen,

Bleibt Balsam mir für alle Zeit! -

 

Ich gleiche nicht der Sonne Schimmer,

Bin nicht so reich an Glanz und Licht,

Ein Sternlein nur, deß schwacher Flimmer,

Ein kleines, enges Rund umflicht.

 

Doch, wie die Stolze mitteninnen

Glänzt wandellos am Himmelszelt,

So steh′ ich fest in meinem Sinnen,

Und ohne Trug kennt mich die Welt.

 

Und wer mit liebendem Vertrauen

Zu mir, dem kleinen Sterne, blickt,

Der darf in gläub′ger Ruhe schauen,

Denn er bleibt fest und unverrückt.

 

Getreu und wahr zu allen Stunden,

Verwirrt und blendet nie sein Licht -

Der Täuschung Qual hab′ ich empfunden,

Allein ich täuschte And′re nicht!


Das Gedicht "Wahrhaftigkeit" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





Zur Startseite: Gedichte