O, du wunderbarer grüner

See, im schönen Schweizerland,

Wie so lieblich sich die stolze

Zürich schmiegt an deinen Rand!

Hüben sanfte Rebenhügel

Hingestreut wie ein Idyll,

Drüben majestätsche Alpen,

Schneebedecket, ernst und still.

 

Wie ein Mann ruhst du dazwischen,

Dem ein Zaubrer Alles lieh,

Tiefsten Ernst und Morgenfrische,

Frohe, starke Poesie.

Lächelst in so holder Schöne -

Fast Vergessen mich umstrickt,

Dass mir von den grünen Höhen

Auch ein Grab entgegen blickt.

 

Weh, da tönen Glockenklänge,

Schneiden mir ins tiefste Herz,

Niemals wachte so gewaltig

In mir auf der erste Schmerz!

Weh, das sind dieselben Glocken,

Welche bebten durch die Luft,

Als man deine teure Hülle

Senkte in die kühle Gruft!

Alles Andre ist vergangen,

 

Selbst den Schmerz betört die Zeit,

Aber diese Glocken sprechen

Noch so laut, als wär es heut,

Dass der besten Geister einem,

Ganz erfüllt vom höchsten Drang,

Dass dem treusten, wärmsten Herzen

Sie getönt den Grabgesang!


Das Gedicht "Die Zürcher Glocken" stammt von   (1821 - 1877).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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