Schau ich mein liebes Mädchen an,

Steht mir das Wünschen fern,

Kein Unfried kommt an mich heran,

Und Alles thu ich gern.

 

Sie spricht zu mir, ich liebe dich!

Was ist, was klingt so süß?

Und schwiege sie, es triebe mich

Wie aus dem Paradies.

 

Dann lief ich in der Welt herum

Gedankenlos und krank,

Als wie ein Fisch so stumm und dumm,

Als wie ein Rohr so schwank

 

Der Himmel wäre nicht mehr blau,

Ein Schreck mir Trank und Speis,

Der Sommer als ein Winter rauh,

Der Winter sommerheiß.

 

Die rothen Rosen abgeblaßt,

Ein Aschenrauch das Licht,

Und ganz abscheulich, ganz verhaßt

Ein Menschenangesicht.

 

Wie froh bin ich, wie hochbeglückt,

Sie hat mich nie gekränkt,

Sie hat mir einen Strauß gepflückt

Und einen Kuß geschenkt.

 

Nun bin ich stark und stolz und reich,

Ich möchte Riesen stehn,

Ich glaub, ich wollte sterben gleich,

Müßt es um sie geschehn!


Das Gedicht "Liedchen" stammt von   (1827 - 1892).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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