Schwestern helft mir tragen

Meinen großen Schmerz,

Oder laßt mich klagen

Wie ein redlich Herz!

 

Nimmerwiederbringen

Könnt ihr mir den Freund;

Will mich schon bezwingen,

Hab ich ausgeweint.

 

Leben einzuhauchen,

Euerm Trost gebricht;

Aus den lieben Augen

Flamme losch und Licht.

 

Von den lieben Wangen

Floh das muntre Roth -

Er ist hingegangen

In den bittern Tod.

 

Herrlich und in Freuden

Lebten Herz und Geist,

Wußten nicht, was Leiden

Und Entbehren heißt.

 

In uns selber fanden

Wir Ersatz und Lust,

Lust und Hoffnung schwanden

Nimmer aus der Brust.

 

Darum will ich klagen,

Darum traurig sein,

Denn in künftgen Tagen

Weiß ich mich allein.


Das Gedicht "Dem Todten " stammt von   (1827 - 1892).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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