Im Anfang war es finster,
Ja finster in dem Bauch,
Doch als die Sonn am Himmel stand
Und Aufklärung im ganzen Land,
Bliebs finster in dem Bauch.
Es jammerten Propheten,
So finster sei′s im Bauch.
Zu ändern war es nimmermehr,
Und ob sie jammern noch so sehr,
Bleibt′s finster in dem Bauch.
Die Wissenschaft erblühte,
Daß hell es würd′ im Bauch;
Das Mikroskop so kühn und fein
Drang in den tiefsten Winkel ein,
Doch finster blieb′s im Bauch.
Und ist sie auch gar traurig
Die Finsterniß im Bauch,
So freuet euch des Lebens doch,
Es ist der Bauch kein Kellerloch,
Und finster bleibt′s im Bauch.
Das Gedicht "Bruder Straubingers Kulturgeschichte" stammt von Ludwig Eichrodt (1827 - 1892).
Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.
Zur Startseite:
Gedichte