Es lagert rings umher ein grauer Flor -

Ich weiß es nicht: bricht noch die Sonn′ hervor?

Wird dieser Nebel heut sie ganz verhüllen?

Und ob er steigt, und ob er niederfällt?

So frag′ ich wohl - doch schweigend ruht die Welt

Und Flur und Thal mit Dunst sich füllen.

 

Es dampft der Wald, ein rauchender Altar,

Einsam darüber kreist ein scheuer Aar,

Er möchte gern empor zur Sonne steigen -

Doch nur ein matter Punkt im Aethermeer

Erscheint sie heut, sonst alles grau umher -

Unheimlich bang ist dieses Schweigen!

 

Ein Bild der Zeit! Ein Nebel schließt uns ein -

Kein Wetter tobt, es glänzt kein Sonnenschein -

Die Welt gehüllt in eine weite Wolke!

Kein Adlerblick erspäht der Sonne Glanz -

Der Freiheit Sonne - sie verhüllt sich ganz -

Ein dumpfes Schweigen rings im Volke.


Das Gedicht "Nebel" stammt von   (1819 - 1895).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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