Gleich wenn ich endlich abends so weit bin,

daß ich im weichen Bett des Ruhns beginne,

zieht sich der arme Antrieb meiner Sinne

aus mir zurück und mündet zu dir hin.

 

Dann glaub ich an die Zartheit meiner Brüste

das, was ich ganz begehre, anzuhalten,

und s o begehre, daß mir ist, als müßte

mein Schrein danach, wo es entsteht, mich spalten.

 

O Schlaf, der nachgibt, Nacht für mich gemeinte,

innige Stillung, glückliche Genüge,

halt vor für aller meiner Nächte Traum.

 

Ist für das immer wieder mir Verneinte

in dieser vollen Wirklichkeit nicht Raum,

so laß es mir gehören in der Lüge.


Das Gedicht "Sonett IX" stammt von (* 1524-00-00, † 1566-04-25).





Ein Gedicht ist eine besondere sprachliche Ausdrucksform, das aus Versen (und Strophen) besteht, die sich i.d.R. reimen.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern verdichten Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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