Vom Dome hallen Glockenklänge -

Stille Andacht überall,

Gläubig singt des Volkes Menge

Zu der Orgel hellem Schall;

Dort in einsamer Kapelle

An des Altars heilger Schwelle

Knie′n die Allerhöchsten Sünder,

Gottes auserwählte Kinder.

Was sie beten, was sie flehen?

Ihre bleiche Lippe spricht:

»Jetzt, da wir am Abgrund stehen,

Jetzt - nur jetzt verlaß′ uns nicht!

Unser Purpur will erbleichen,

Unsre Macht zerfällt in Scherben:

Lass′ mit Blute sonder Gleichen

Uns den Purpur wieder färben!

Mögen sie zum Himmel beten

Und mit neu gestärktem Muth

Eines Volkes Recht zertreten,

Pochend auf des Höchsten Huth:

Taub und schwach sind ihre Götter,

Taugen nur zum Spiel der Spötter;

Doch der Geist, der ewig freie,

Gibt dem Volk die Siegesweihe!


Das Gedicht "In Potsdam" stammt von   (1814 - 1871).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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