Und es gibt Thränen, die nicht fliessen können,

Und es gibt Wunden, die den Geist verbrennen,

Viel unsagbare, unsichtbare Qualen,

Die nur im Dunkel ... blutend, dumpfroth ... strahlen.

Was ward mir dies Empfinden zugetheilt,

Das dem Erlebnis ahnend voraus eilt,

Dass sich im reinsten, goldigsten Geniessen

Die Augen plötzlich ... angstvoll sehend ... schliessen?

Warum das Leid, um das der andre trauert,

Wie Geisterathem mir das Herz durchschauert,

So dass ich spukhaft - fremdes Weh erlebe

Und doch ein eig′nes, liebes ... nie durchbebe ...?

Und wenn der Misston, der dein Selbst verwirrt,

In meiner Seele Äolsharfe klirrt,

Da fühl′ ich höhnend, dass der grelle Schall

Und all mein Leiden - Wahn und Wiederhall!

O! es gibt Thränen, die nicht fliessen können,

Und Wunden ... Wunden, die den Geist verbrennen,

Und Stürme, die sich nicht in Verse klären -

Und Götter gibt′s - die Menschen nicht gewähren ...!


Das Gedicht "Thränen" stammt von   (1877 - 1897).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.



Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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