»... Psyche, my soul.« ... Edgar Poe.

 

Du hast dereinst in heissen Stunden

Oft weinende, wünschende Sehnsucht empfunden,

Oft glühend begehrendes, drängendes Brennen,

Den ewigen Urquell des Seins zu erkennen

Und lichtgesättigt ... erkennend vergeh′n ...

Du hast oft dämm′rig verträumtes Weh′n

Und leises, lindlallendes Sehnen gefühlt

Nach mildem Balsam, der Wunden kühlt,

Nach schlummernder, stillender Friedensnacht ...

Dann wolltest du duftende, klingende Pracht

Und ewiger Schönheit berauschende Flut

Und ewiger Liebe beglückende Glut ...

Und immer hast du dich gesehnt und gequält

Nach dem Einzigen, Einen, das immer dir fehlt′,

Und hast dereinst in heissen Stunden

Oft weinende, wünschende Sehnsucht empfunden ...

Das ist vorbei ... du bist so stille!

Verstummt all dein irrender, rastloser Wille,

Verstummt ist das alte, süss-traurige Lied,

Das dich so oft gequält, gemüht,

Und endlich magst du glücklich sein!

Doch meine Seele seufzet: - Nein,

Mir ist so eisig, eisig′ kalt!

Ich wollt′, sie käme wieder bald!

Das schmächtige, duftige, todkranke Weib,

Mit ewig verlangendem, bebendem Leib

Und ewig verlangenden, schmerzlichen Blicken ...

Denn Schmerz und Verlangen ist höchstes Entzücken ...

Und süsser Genuss sind todtraurige Lieder ...

Ich sehne, ich sehne nach Sehnsucht mich wieder!


Das Gedicht "Sehnsucht" stammt von   (1877 - 1897).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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