...Sie sollte eine Königskrone tragen,

Weil sie so hoch ist, quälend schön und kühl - -

Aus steifem Sammt die schleppenden Gewänder,

Von schweigend dunklem, feierlichem Blau;

Dran müssten matte Silberspangen flimmern,

Und in dem langen, räthselschwarzen Haar

Ein Diadem aus Silber und Smaragden ...

Und alle knie′ten vor der Königin,

Gebannt vom Zauber ihrer herben Schöne,

Und harrten ihres Lächelns, süss und kalt,

Und ihrer Stimme, die so licht und fremd ist

Wie grüne Seen, im weissen Mond verglast ...

Und alle wollten für dies Weib verbluten

Und wussten doch, dass sie an keinen glaubt!

Und schauernd kniet′ ich vor der Königin,

Und musste an die hohe Lilie denken,

Die fröstelnd bleich und lauter Hochmuth ist ...

Ich aber weiss, dass in dem Lilienkelche

Ein kleiner Elfengeist gefangen zuckt,

Und dass von all den scheuen Elfenthränen

Die Lilie so bleich und fröstelnd ward ...

Und schauernd kniet′ ich vor der Königin,

Und dachte an die Lilie ... und dachte ...


Das Gedicht "Isabella" stammt von   (1877 - 1897).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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