Gebannt in dumpfes Nichts lag meine Seele.

Rings flammte Lieb′ und Sommer in den Kelchen,

Rings blühten duftig die Gedichte auf ...

Doch meine Seele schlich erblindet, träge

Und todt- durch goldigblonde Rhythmen hin ...

Durch aller Räthsel ahnungsvolles Raunen

Gespensterkühl ... matt und verständnislos.

Gebannt in dumpfes Nichts lag meine Seele.

Da kam ihr plötzlich ... langersehnt... der jähe

Urtiefe Schmerz, der sie befreien soll.

Er soll mit Blitzesbrand mein Herz erschüttern,

Er soll versengen, dass aus grauem Schutt

Die neue Blüte blass und düfteschwer

Emportaucht ... Endlich! weine, meine Seele!

Sie weinte nicht ... die schweren Flügel zuckten,

Dann stöhnte sie ein wenig und sie schwieg ...

Es kam kein Blitz ... Nur Kälte ... Kälte ... Kälte ...

Dass alle Thränen ihr in Eis erstarrt ...


Das Gedicht "Erstarrt" stammt von   (1877 - 1897).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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