Wenn die Vögel singen, rufen sie dabei die Blumen des Feldes oder sprechen sie mit den Bäumen,

oder ist ihr Gesang nur ein Widerhall dessen, was das Bächlein murmelt?

Der Mensch mit all seiner Klugheit kann nicht verstehen,

was die Vögel sagen oder was der Bach vor sich hinmurmelt oder was die Wellen flüstern,

wenn sie langsam und sanft den Strand berühren.

 

Der Mensch in all seiner Klugheit kann nicht verstehen,

was der Regen spricht, wenn er auf die Blätter in den Bäumen fällt oder wenn er aufs Fensterbrett tropft.

Er weiß nicht, was der flüchtige Wind den Blüten zu erzählen hat.

 

Aber das Herz des Menschen ist imstande,

die Bedeutung dieser Stimmen zu fühlen und zu begreifen.

Oftmals bedient sich die ewige Wahrheit einer geheimnisvollen Sprache.

Seele und Natur unterhalten sich miteinander, während der Mensch abseits steht, sprachlos und verwirrt.

Und hat der Mensch nicht Tränen vergossen über diese Stimmen?

Sind seine Tränen nicht ein beredtes Zeugnis seines Verstehens?


Das Gedicht "Die Stimmen der Natur" stammt von   (1883 - 1931).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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