Hauptmann, hol her das Standgericht!

Ich sterb′ für keinen Kaiser nicht!

Hauptmann, du bist des Kaisers Wicht!

Bin tot ich, salutier′ ich nicht!

 

Wenn ich bei meinem Herren wohn′,

ist unter mir des Kaisers Thron,

und hab′ für sein Geheiß nur Hohn!

Wo ist mein Dorf? Dort spielt mein Sohn.

 

Wenn ich in meinem Herrn entschlief,

kommt an mein letzter Feldpostbrief.

Es rief, es rief, es rief, es rief!

Oh, wie ist meine Liebe tief!

 

Hauptmann, du bist nicht bei Verstand,

daß du mich hast hierher gesandt.

Im Feuer ist mein Herz verbrannt.

Ich sterbe für kein Vaterland!

 

Ihr zwingt mich nicht, ihr zwingt mich nicht!

Seht, wie der Tod die Fessel bricht!

So stellt den Tod vors Standgericht!

Ich sterb′, doch für den Kaiser nicht.


Das Gedicht "Der sterbende Soldat" stammt von   (1874 - 1936).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.
Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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