O gutes Grün, wie sprichst du mich zärtlich an,
Wie heilig schweigst du von dem Geheimnisse.
   Du letzter Schmuck der armen Mutter,
     Die ihren Schoß mit der Söhne Blut färbt.

Daß du zugleich bist und daß mit dir zugleich
Der Wille lebt, an dem eine Menschheit stirbt –
   Ach, irdisch Unmaß! und dir wird nicht
     Fahler die Farbe, du grüne Hoffnung.

O letztes Leben und wie das Leben auch
Verkannt, du Anbot wahrster Bescheidenheit,
   Du selbstgenügsam stille Pflanze,
     Die nur wie Schnittlauch schmeckt und duftet.

Nach etwas suchend, welches kein andres ist,
Im Kreis des Lebens, das im Ersatz sich lebt,
   Bloß deine gute Gabe sah ich,
     Chemischem Zauber unerreichbar.

Daß gleichwohl, grüne Freundschaft, du eßbar seist,
Wenn auf dem Teller treu du dich hingestreut –
   Es rührt noch von dem alten Hunger.
     Stets hat der Mensch von der Seele gegessen.


Das Gedicht "An den Schnittlauch" stammt von   (1874 - 1936).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

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Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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