Könnt ihr nicht besser hausen
Ihr Stürme und Orkan,
Nicht Berge niederbrausen,
Durch weiten Erdenplan?

Ihr seid nicht eingezwänget
Von Menschen und von Stein,
Um eure Seele dränget
Sich nicht ein morsch Gebein.

Ein Weltall dürft ihr fassen,
Dürft fluchen ihm in's Herz,
Laut heulen euer Hassen,
Laut heulen euren Schmerz!

Den Himmel dürft ihr fodern,
Zum schicksalsvollen Kampf,
Bis zu den Wolken lodern,
In heißem Feuerdampf!

Doch nur wie Knabenlieder
In schlechten Melodien,
Tönt euer Sang hernieder,
Weit durch die Welt zu fliehn.

Und nimmer horch ich lange,
Und nimmer sehnsuchtsschwer,
Ergriffen wie vom Drange,
Denn 's klingt nur hohl und leer.

Mich fesseln tausend Schranken,
Die Seele morsch Gebein,
Der Himmel den Gedanken,
Den Körper Mensch und Sein.

Mein armes Herz umfassen
Zwei kleine Spannen leicht,
Die Geister mich verlassen,
Wenn's von dem Blitz erreicht.

Und dennoch tönt und stürmet
Es ewig heiß da fort,
Und Schmerz auf Schmerz gethürmet
Erbraust an diesem Ort.

Ihr müßt euch untertauchen,
Wenn's tief in mir ertönt,
Dann seid ihr nur ein Haufen,
Was einen Sturm verhöhnt.

Dann spreng' ich alle Bande,
Dann flammt's zum Himmel auf,
In kühnem Fichtenbrande,
In ungemeß'nem Lauf.

Dann frage ich die Welten,
Den Gott um Rechenschaft,
Und fühl' in meinem Schelten,
Des Busens Gluth und Kraft.

Dann stürzt hernieder, Himmel,
Ich falle unter euch,
Und in dem Weltgewimmel
Bleib ich mir selber gleich.

Dann möcht' ihr prasselnd sinken,
Ich leg' die Hand auf's Herz,
Und heule im Ertrinken
Euch meinen Fluch und Schmerz.


Das Gedicht "Sturmlied" stammt von   (1818 - 1883).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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