Presst sie krampfhaft ans Herz,
Schaut so dunkel ins Auge:
"Viellieb, brennt Dich Schmerz,
Bebst, bebst meinem Hauche!"

"Hast getrunken die Seele
Mein! mein, Deine Glut!
Glänz', meine Juwele,
Glänz', glänz' Jugendblut!"

"Holder, schaust so bleich,
Sprichst so wunderselten,
Sieh', wie sangesreich
Zieh'n am Himmel Welten!"

"Ziehen, Liebchen, ziehen,
Glüh'n Sterne, glüh'n!
Hinauf! hinauf dann entfliehen,
Seelen zusammensprühn!"

Spricht dumpf leise flüsternd,
Schaut entsetzt umher,
Blicke flammenknisternd
Glüh'n in sein Auge leer.

"Liebchen, hast Gift getrunken,
Musst fort mit mir gehn,
Nacht ist herabgesunken,
Kann den Tag nicht mehr sehn."

Presst sie krampfhaft ans Herz,
Tod in Brust und Hauche,
Sticht sie tiefinnerer Schmerz,
Öffnet nie mehr das Auge.


Das Gedicht "Nachtliebe" stammt von   (1818 - 1883).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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