Es tanzt 'ne Frau im Mondesschein,
Die glänzt gar weit in die Nacht hinein,
Ihr Kleid, das wallt, ihr Aug', das blitzt,
Wie wenn Demant an Felsen sitzt.

"Blau Meer, komm' hergegangen,
Lass dich holdsüß umfangen,
Kränz' mir das Haupt mit Weiden,
Musst schön grünblau mich kleiden!"

"Ich bring' zart Gold und rot Gestein,
Drin springt und tanzt das Herzblut mein,
Ein Trauter trug's an warmer Brust,
Hat in die Flut hinweg gemusst."

"Will Melodien dir singen,
Muss Wind und Woge springen,
Hochauf will Tanz ich schlagen,
Muss Wind und Woge klagen!"

Fasst' einen Weidbaum mit der Hand,
Schlang drum grünblau ein Liebesband,
Begann ihn seltsam anzusehn,
Hieß ihn behutsam seitwärts gehn.

"Nun leih mir deine Schwingen,
Tief Meer hinabzuklingen,
Hast Mutter nicht empfunden,
Wie Sohn gar schön umwunden?"

So trieb sie's nächtig hin und her,
Schmückt jede Weid' am grünen Meer,
Schwingt dann sich stolz hinab, hinauf,
Hat nie vollbracht den Zauberlauf.


Das Gedicht "Die Wahnsinnige" stammt von   (1818 - 1883).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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