«Hat ein Gott mir alles hingerissen,
    Fortgewälzt in Schicksalsfluch und Joch,
Seine Welten – alles – alles missen!
    Eines blieb, die Rache blieb mir doch.»

«An mir selber will ich stolz mich rächen,
    An dem Wesen, das da oben thront,
Meine Kraft sei Flickwerk nur von Schwächen,
    Und mein Gutes selbst sei unbelohnt!»

«Einen Thron will ich mir auferbauen,
    Kalt und riesig soll sein Gipfel sein,
Bollwerk sei ihm übermenschlich Grauen,
    Und sein Marschall sei die düst're Pein!»

«Wer hinaufschaut mit gesundem Auge,
    Kehre todtenbleich und stumm zurück,
Angepackt vom blinden Todteshauche,
    Grabe selbst die Grube sich sein Glück.»

«Und des Höchsten Blitze sollen prallen
    Von dem hohen, eisernen Gebäu,
Bricht er meine Mauern, meine Hallen,
    Trotzend baut die Ewigkeit sie neu.»


Das Gedicht "Des Verzweiflenden Gebet" stammt von   (1818 - 1883).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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