Spielmann streicht die Geigen,
Die lichtbraunen Haare sich neigen,
    Trägt einen Säbel an der Seit',
    Trägt ein weites, gefaltet Kleid.

«Spielmann, Spielmann, was streichst Du so sehr,
Spielmann, was blickst Du so wild umher?
    Was springt das Blut, was kreist's in Wogen?
    Zerreiß't Dir ja deinen Bogen.»

«Was geig' ich Mensch! Was brausen Wellen?
Daß donnernd sie am Fels zerschellen,
    Daß 's Aug' erblind't, daß der Busen springt,
    Daß die Seele hinab zur Hölle klingt!»

«Spielmann, zerreiß't Dir das Herz mit Spott,
Die Kunst, die lieh Dir ein lichter Gott,
    Sollst ziehn, sollst sprühn auf Klangeswellen,
    Zum Sternentanz hinanzuschwellen!»

«Was, was! Ich stech', stech' ohne Fehle
Blutschwarz den Säbel in Deine Seele,
    Gott kennt sie nicht, Gott acht' nicht der Kunst;
    Die stieg in den Kopf aus Höllendunst,

Bis das Hirn vernarrt, bis das Herz verwandelt:
Die hab' ich lebendig vom Schwarzen erhandelt.
    Der schlägt mir den Takt, der kreidet die Zeichen;
    Muß voller, toller den Todtenmarsch streichen,

Muß spielen dunkel, muß spielen licht,
Bis 's Herz durch Sait' und Bogen bricht.»

Spielmann streicht die Geigen,
Die lichtbraunen Haare sich neigen,
    Trägt einen Säbel an der Seit',
    Trägt ein weites, gefaltet Kleid.


Das Gedicht "Der Spielmann" stammt von   (1818 - 1883).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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