Dem Spinnenvolke fiel es ein,

In Zukunft sicherer zu seyn,

Und nicht Jedwedem zu vergönnen,

In ihrem Schloß herum zu rennen,

Sie wohnten eben dazumal

In einem großen wüsten Saal,

Durch dessen offne Fensterbogen

Stets Mücke, Schwalb′ und Sperling flogen.

Wir wollen (murreten die Spinnen)

Den Vortheil euch wohl abgewinnen;

Und zogen in die Läng′ und Quer′

Viel Fäden vor den Fenstern her.

Doch Schwalb′ und Sperling kamen bald

Und fuhren dreist und mit Gewalt

Durch diese leichten Spinnenweben,

Und nur die Mücken blieben kleben.

 

Ganz so, wie diese Spinnennetze,

Sind oft im Staate die Gesetze.

Kein Mächt′ger wird darin gefangen,

Nur bloß der Schwache bleibt d′rin hangen.


Das Gedicht "Die Republik der Spinnen" stammt von   (1726 - 1777).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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