Dort unten in der Mühle

Saß ich in guter Ruh

Und sah dem Räderspiele

Und sah dem Wasser zu.

 

Sah zu der blanken Säge,

Es war mir wie ein Traum,

Die bahnte lange Wege

In einem Tannenbaum.

 

Die Tanne war wie lebend,

In Trauermelodie,

Durch alle Fasern bebend

Sang diese Worte sie:

 

Du tritts zur rechten Stunde,

O Wanderer! hier ein,

Du bist′s, für den die Wunde

Mir dringt ins Herz hinein.

 

Du bist′s, für den wird werden,

Wenn kurz gewandert du,

Dies Holz im Schoß der Erden,

Ein Schrein zur langen Ruh.

 

Vier Bretter sah ich fallen,

Mir ward um′s Herze schwer,

Ein Wörtlein wollt′ ich lallen,

Da ging das Rad nicht mehr.


Das Gedicht "Der Wanderer in der Sägemühle" stammt von   (1786 - 1862).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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