Ein fremder Kavalier
Stieg ab vom schwarzen Roß,
Trat in den Königssaal
Mit andern Herren groß.

Derselbe Kavalier
Trug einen Edelstein,
Wie man noch keinen sah,
Von wundersamem Schein.

Ein Stein von hohem Wert
In Königs Krone saß,
Doch schien vor diesem er
Ein mattgeschliffen Glas.

Der König bot ihm Gold,
Er bot ihm Leut′ und Land,
Doch lassen wollt′ er nicht
Den edlen Diamant.

Der König, des erbost,
Spricht zu dem Hauptmann sein:
Bringt mir des Mannes Hand
Samt seinem Edelstein.

Der Hauptmann reckt das Schwert,
Haut nach des Mannes Hand,
Doch statt des Kavaliers
Der Teufel vor ihm stand.

Glut strömt aus seinem Ring,
Zur Hölle wächst der Stein,
Schleußt Burg und König bald
Samt allen Dienern ein.


Das Gedicht "Der Ring" stammt von   (1786 - 1862).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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