Dein Lied ist rührend, edler Sänger,

Doch zürne dem Genossen nicht,

Wird ihm darob das Herz nicht bänger,

Das, dir erwidernd, also spricht:

 

"Die Poesie ist angeboren,

Und sie erkennt kein Dort und Hier!

Ja, ging die Seele mir verloren,

Sie führ′ zur Hölle selbst mit mir.

 

Inzwischen sieht′s auf dieser Erde

Noch lange nicht so graulich aus,

Und manchmal scheint mir, dass das Werde!

Ertön′ erst recht dem "Dichterhaus".

 

Schon schafft der Geist sich Sturmesschwingen

Und spannt Eliaswagen an;

Willst träumend du im Grase singen,

Wer hindert dich, Poet, daran?

 

Ich grüsse dich im Schäferkleide,

Herfahrend - doch mein Feuerdrach′

Trägt mich vorbei, die dunkle Heide

Und deine Geister schaun uns nach.

 

Was deine alten Pergamente

Von tollem Zauber kund dir tun,

Das seh′ ich durch die Elemente

In Geistes Dienst verwirklicht nun.

 

Ich seh′ sie keuchend glühn und sprühen,

Stahlschimmernd bauen Land und Stadt,

Indes das Menschenkind zu blühen

Und singen wieder Musse hat.

 

Und wenn vielleicht in hundert Jahren

Ein Luftschiff hoch mit Griechenwein

Durchs Morgenrot käm′ hergefahren

Wer möchte da nicht Fährmann sein?

 

Dann bög′ ich mich, ein sel′ger Zecher,

Wohl über Bord von Kränzen schwer,

Und gösse langsam meinen Becher

Hinab in das verlassne Meer."


Das Gedicht "Dein Lied ist rührend, edler Sänger" stammt von   (1786 - 1862).





Das Gedicht als solches verdichtet Sprache und veranschaulicht den Inhalt durch die Verwendung rhetorischer Mittel (z.B. Metaphern (Bildsprache), Anaphern (Wiederholungen), etc.). Diese lyrischen Texte zeichnen sich durch eine strukturierte Form (Verse, Strophen) und einen spezifischen Rhythmus (Reim) aus.

Die Wörter und Sätze vermitteln nicht nur einfach Informationen, sondern kondensieren & destillieren Stimmungen, Gefühle, Gedanken oder Beobachtungen. Es ist eine der ältesten literarischen Textformen und lebt davon, dass Sprache nicht nur bedeutet, sondern auch klingt, schwingt und wirkt.





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